1200 km Jeep-Tour ueber den Wolken!

27 12 2011

Nach 2 weiteren Tagen Busfahren durch Bolivien, was allein ein echtes Abenteuer war, sind wir in Tupiza angekommen und entschieden uns die 4-taegige Jeeptour durch die Anden zu machen.
Den ersten Tag ging es ueberwiegend bergauf. Wir sahen super viele Tiere. Unteranderem Straeusse, Lamas, Vincuñas (wilde Lamaart) und Chinchillas. Ausserdem fuhren wir durch ein verlassenes Spanierdorf. Dort wurden vor 400 Jahren Sklaven aus aller Welt hingekarrt um dann unter grausammen Bedingungen Gold und Silber abzubauen. Das Dorf besteht heute nur noch aus Ruinen und wird Geisterstadt genannt (Ciudad de las Fantasmas).


Auch am ersten Tag hat ein Stein bei unserem 4*4 Jeep hinten links einen Stossdaempfer rausgehauen. Zum Glueck merkte dies unser Guide Ruben dies und musste den Stossdaempfer entfernen. Nun wurde die Fahrt noch schwamminger als es eh schon war. Doch am Tag 2 hatte unser kreativer Guide eine Ueberraschung fuer uns. Er hatte den Stossdaempfer mit starken Gummis ersaetzt. Funktioniert super!

Auch badeten wir auf 4700 Metern in 33 Grad heises Quellwasser (Aquas caliente) mit einer atemberaubenden Landschaft und Flamingos im Hintergrund. (Foto folgt)

Weiter ging es ueber krasse Feldwege und „Strassen“ zu verschiedenen Lagunen in verschiedenen Farben: Gruen, Rot, Weis! Alles sind Salzseen mit ueber 30% Salzanteil und ueberfuellt mit Flamingos, die versuchen die Mikroorganismen aus dem Wasser zu filtern.
Die Laguna Verde liegt auf 4400 Metern. Im Hintergrund der Vulkan Licancabur mit 5950 Metern schon super hoch.

Auch die Geysire „Sol de manana“ auf 5000 Metern haben wir besucht. Dort brodelt es aus vielen Loechern in vielen verschiedenen Farben. Aus manchen kommt auch einfach nur heisser Dampf! Hier wir 4 aus dem Jeep 🙂

Die Laguna Colorado auf 4280 Metern hat mich besonders beeindruckt. Die Farbe entsteht im Laufe des Tages durch Sonneneinstrahlung und Wind. Dann veraendern die Mikroorganismen ihre Farbe von klar auf Rot/Orange. Auch diese Lagune hat sehr viel Salz und andere Mineralien. Tiefster Punkt sind uebrigens gerade mal 80 cm.

2 der 3 Naechte haben wir auf ueber 4300 Metern geschlafen. Fuer Leo, mein Kompanio, nicht so leicht. Ich hatte aber keine bemerkbaren Probleme.

Am letzten Tag unseres Trips sind wir um 4 Uhr aufgestanden um fuer den Sonnenaufgang auf dem Salar de Uyuni zu sein. Dies ist ein riesiger Salzsee, der aber ausgetrocknet ist. Er ist der groesste und hoechste der Welt (12000km2 gross und auf 3650 Metern). Gleucklicherweise hatte es die Tage davor ein bisschen geregnet und es waren ca. 4 cm Wasser auf dem ganzen Salar, was ihn in einen riesigen Spiegel verwandelte. Dort durften wir Zuschauer eines spektakulaeren Sonnenaufgangs werden.

In der Mitte des Salars befindet sich eine kleine Insel mit tausenden Kakteen. Dort haben wir dann gefruehstueckt. Bevor es dann zu einem grossen Eisenbahnfriedhof ging. Dort stehen hunderte alte Locks und Wagons, groesten Teils im 19. Jahrhundert aus Deutschland importiert, und warten darauf, dass sie zerrosten. Wer kann sich sowas bei den Metallpreisen momentan in Deutschland vorstellen? 😉
Die vielen anderen Touristen und Weltenbummler sagten uns, nachdem sie schon in Asien, Australien und Neuseeland waren, dies war die beste Tour die sie je gemacht haben. Vielen Dank dachte ich mir = dann bin ich ja fuer den Rest meiner Reise ruiniert… 😉

In Uyuni angekommen haben wir mit neuen Freunden Nicci&Alan (Ein Paar das sich beim Reisen kennen gelernt hat) und Mathew von der Tour einen Bus nach La Paz, dem Regierungsitzt von Bolivien, gebucht. Ein Fehler wie sich herausstellte: Der Bus hat zwar umgerechnet nur ca. 9 Euro gekostet und sollte uns in 12 Stunden von A nach B bringen, doch haben wir 17 gebraucht und keine Sekunde geschlafen. Denn in Bolivien gibt es keine Strassen sondern nur Schotterpisten. Das heisst, man wird uebertrieben durchgeschuettelt. Ich hatte am naechsten Tag saemtliche blaue Flecken an Ellebogen und Huefte. Dazu haben sich durch die Vibration die Schrauben der Verkleidung ueber uns geloest und die gesamte Verkleidung viel runter… Plus der Bus hielt mehrere Male mitten in der Nacht an und unsere Busfahrer reparierten den Moter mit groben Hammerschlaegen. Knapp 40 km vor La Paz hielten wir ein weiteres Mal. Als wir 7 Touristen aus dem Bus nach 20 Minuten bemerkten, dass alle Einheimischen den Bus verliessen und sich ein Taxi nahmen, entschieden auch wir, dass wir zu Hitch-Hiken hatten. Eine Wahnsinnsfahrt!!!! Total uebermuedet sind wir dann von der Stadt geschockt worden und haben uns erstmal ins Hostel gelegt. Ein super Hostel mit eigener Brauerei = jeden Abend ein Freibier 🙂
Von der Stadt geschockt deswegen, da die Stadt ein einziges Chaos ist. Auserdem liegt es in einem Talkessel. Am tiefsten Punkt ist „Downtown“ und je weiter man hoch kommt, desto aermer wird es. Die roten unverputzten Ziegel-Haeuser kleben foermlich an den Bergen. Nicht ohne Grund hat die Stadt einen Hoehenunterschied von knapp 1000 Metern. Nachdem wir ein bisschen herumgelaufen haben, gewoehnten wir uns an das Chaos und begannen die Stadt zu moegen.
Trotzdem entschieden wir uns den in der naehe gelegenen Titicacasee und die „Isla de Sol“, angebliche Geburtstaedte der Inkas und der Sonne, zu besuchen. Von dort bot sich ein atemberaubendes Landschaftsbild mit den hohen Bergen von Chile im Hintergrund.

Unseren Rueckweg nach Argentinien planten wir dann mit dem Zug zu unternehmen. Es stellte sich heraus, dass er zwar wesentlich teuerer war, aber doch sehr viel gemuetlicher. Auch der Zug hielt mitten in der Nacht fuer mehrere Stunden, da es einen Erdrutsch gegeben hatte und die Gleise verschuettet waren. Also wurden von der Crew Schippe und Hacke beigeholt und alles freigelegt. 🙂 Wir Deutsche sind von der Deutschen Bahn total verwoehnt und erinnerten uns an die Puenktlichkeitsprobleme in Deutschland.

Auf unserer Reise nach Salta machten wir eine Nacht Stop in dem traumhaften Tilcara. Eine wunderbar stille Stadt. Sie ist bekannt fuer ihre alte Inkafestung und die mehrfarbigen Berge.

Weihnachten feierten Leo und ich dann mit unserer Nachbarfamilie hier auf der Fundation. Es gab leckeres Lamm und Schwein. Dazu frische Tomaten-, Kartoffel- und Rotebeetesalate. Als Nachtisch backten Leo und ich leckere Plaetzchen, welche sehr gemocht wurden. Danach wurde um 12 Uhr ein Feuerwerk gezuendet und die ganze Nacht Wein getrunken, getanzt und sich unterhalten. Leo und ich gingen gegen 5 Uhr dann zu Bett. Als wir am naechsten Morgen um 10 Uhr aufstanden, lief immer noch Musik und die Nachbarn waren immer noch am Feiern… einfach nur verrueckt. Erst um 4 Uhr mittags, als endlich der ganze Wein leer war, entschieden sie sich zu Bett zu gehen 😛

Am ersten Weihnachtstag abends gingen Leo und ich hier zu Kirche. Eigentlich ein Gemeinderaum, der aber auch als Kirche dient. Dort waren ein paar Plastikstuehle aufgestellt. Auch ein Strassenhund ruhte sich dort von dem harten Ueberlebenskampf mitten im Flur aus. Ansonsten glich der Gottesdienst vom Ablauf dem in Deutschland. Es wurde viel gesungen und gebetet.

Ich hoffe ihr hattet alle tolle Weihnachten mit euren Familien und Freunden.
Hiermit wuensche ich euch jetzt schonmal einen Guten Rutsch ins neue Jahr 2012. Ich werde von den Wasserfaellen in Iguazu in das neue Jahr rutschen.
Also bis dann
Kai



El Talar – Leben mit den „Indianern“

11 12 2011

Der erste Tag unserer Reise in die Indianergegend war schon Mega spannend. Nach 3 Stunden Fahrt waren wir in El Bananal angekommen. Ein winziges Dorf bestehend aus etwas mehr als einer Straße. Dort trafen wir auf Silvia, eine dicke und liebenswürdige Nonne! Bei ihr in der Küche haben wir den Tag verbracht. Es hat 2 Stunden so heftig geregnet, dass in der Küche 3 cm hoch das Wasser stand und nicht ablief, weil es drausen genauso so hoch war. Während Leo und ich fieberhaft nach einer Lösung suchten, fragte sie uns seelenruhig und mit ihren Füßen im Wasser spielend, ob wir denn nicht einen Tee trinken wollen. Am Abend ging es dann 1 Stunde mit dem Auto nach El Talar! Ein Örtchen von 3000 Einwohnern umgeben von Zuckerpflanzen und Bananenbäumen! Hier verbrachten wir die nächsten 9 Tage. Wir lebten bei Andis Eltern im Haus. Andi, er betreibt die kleine Schreinereischule hier in El Talar. Wir wurden herzlichst empfangen. Der ganzen Familie und auch durchs ortseigene Radio dem ganzen Dorf vorgestellt. Jeden Tag arbeiten wir nun mit einer kleinen Gruppe von 10-13 jährigen in der Schreinerei. Die restliche Zeit verbringen wir mit Andi und seiner Familie. Gleich am ersten Tag hat uns der Papa eine Kiste voll mit Honigwaben auf den Tisch gestellt. Wir sollten uns ein Stück abbrechen und den Honig aus den Waben lutschen. Der Wachs der übrig bleibt wird weggeschmissen. Total lecker und super frisch! Sobald hier im Dorf ein Mülleimer voll ist geht man an die eigene Feuerstelle und zündet sämtlichen Müll an. Müllabfuhr, Internet und auch guter Radio -oder Tv-Empfang Fehlanzeige! Die Straße teilen sich die wenigen Autos, die vielen Roller und Fahrräder und vor allem sämtliche Tiere: Pferde, Schweine, Hühner, Truhthähne und natürlich auch Katzen und Hunde. Ein Spektakel!
Duschen geht für mich großen Deutschen am besten nur auf Knien. Das Wasser ist immer kalt und vor dem duschen muss ein Eimer Wasser an der Decke gefüllt werden, da sehr wenig Druck auf der Leitung ist! Toiletten gibt es, allerdings wird oft mit einem Eimer Wasser gespühlt. Einmal waren wir am Fluss nahe dem Dorf. Jetzt kurz vor der Regenzeit ist kaum Wasser vorhanden. Man kann den Fluss locker durchlaufen. Das Wasser ist so warm, dass es schon nicht mehr erfrischend ist.

Das Leben hier ist total langsam und für mich und Leo sehr unproduktiv. Wir sind wahrscheinlich jetzt schon für den deutschen Arbeitsmarkt ruiniert. Wir arbeiten circa 4 Stunden am Tag, was für hiesige Verhältnisse schon verdammt viel ist. Damit man den Tag übersteht wird Mate getrunken, ein spezieller Tee, der unseren Kreislauf vor dem in Schwung kommen bewahrt, damit auch ja nichts überhetzt wird. Viele Männer kauen außerdem noch Cocablätter, eine Vorstufe des Kokain (100kg Coca = 1g Kokain), welche nicht die Produktivität fördern, aber laut Ihnen gut für die Verdauung und die Gesundheit sein sollen. Auch ich habe sie probiert. Finde sie aber nicht besonders lecker und muss mir nicht die Backe damit füllen.
In unserer Zeit in El Talar haben Leo und Ich viele Familien kennen gelernt. Besonders wurden wir immer den Mädels des Hauses vorgestellt. Auch durften wir uns Fotoalben von Schönheitswettbewerben und sonstigem anschauen. Sehr spannend und meistens gar nicht mal so hübsche. Vielen fehlen schon mit 18 Jahren die ersten Zähne und durch die ungesunde Ernährung haben auch viele zu viel auf den Rippen.
Leo und ich haben die Zeit in dem Dorf El Talar sehr genossen. Es ist sehr entspannend und die meiste Zeit wird geschlafen 🙂 Allerdings freuten wir uns riesig, als die Zeit dann doch vorbei war und wir wieder ein bisschen Zivilisation erfahren durften.

Zumindest für den Moment, denn gerade sind wir im Taxi zu unserem ersten Ziel in Bolivien, Tarija. Der Grenzübergang von Argentinien nach Bolivien war super spannend. Erstmal standen wir 1 Stunde in der prallen Morgensonne um einen Ausreisestempel zu bekommen. Dann sind wir einen Kilometer gelaufen, auch über den Grenzfluss, um dann in Bolivien den Einreisestempel zu erlangen. Die Grenzbeamtinnen haben erstmal mit uns geflirtet und wollten mit auf unsere Reise kommen. Den Pass haben die sich auch nur wegen unserer Fotos angeschaut, so sagte jedenfalls der einzige männliche Beamte im Büro! 🙂 Danach mussten wir 5 km bis zum nächsten Ort laufen, denn das Taxi wollten wir uns sparen! Gut so, denn auf halber Strecke sind wir kurzfristig im Fluss Baden gegangen! Einfach super