El Talar – Leben mit den „Indianern“

11 12 2011

Der erste Tag unserer Reise in die Indianergegend war schon Mega spannend. Nach 3 Stunden Fahrt waren wir in El Bananal angekommen. Ein winziges Dorf bestehend aus etwas mehr als einer Straße. Dort trafen wir auf Silvia, eine dicke und liebenswürdige Nonne! Bei ihr in der Küche haben wir den Tag verbracht. Es hat 2 Stunden so heftig geregnet, dass in der Küche 3 cm hoch das Wasser stand und nicht ablief, weil es drausen genauso so hoch war. Während Leo und ich fieberhaft nach einer Lösung suchten, fragte sie uns seelenruhig und mit ihren Füßen im Wasser spielend, ob wir denn nicht einen Tee trinken wollen. Am Abend ging es dann 1 Stunde mit dem Auto nach El Talar! Ein Örtchen von 3000 Einwohnern umgeben von Zuckerpflanzen und Bananenbäumen! Hier verbrachten wir die nächsten 9 Tage. Wir lebten bei Andis Eltern im Haus. Andi, er betreibt die kleine Schreinereischule hier in El Talar. Wir wurden herzlichst empfangen. Der ganzen Familie und auch durchs ortseigene Radio dem ganzen Dorf vorgestellt. Jeden Tag arbeiten wir nun mit einer kleinen Gruppe von 10-13 jährigen in der Schreinerei. Die restliche Zeit verbringen wir mit Andi und seiner Familie. Gleich am ersten Tag hat uns der Papa eine Kiste voll mit Honigwaben auf den Tisch gestellt. Wir sollten uns ein Stück abbrechen und den Honig aus den Waben lutschen. Der Wachs der übrig bleibt wird weggeschmissen. Total lecker und super frisch! Sobald hier im Dorf ein Mülleimer voll ist geht man an die eigene Feuerstelle und zündet sämtlichen Müll an. Müllabfuhr, Internet und auch guter Radio -oder Tv-Empfang Fehlanzeige! Die Straße teilen sich die wenigen Autos, die vielen Roller und Fahrräder und vor allem sämtliche Tiere: Pferde, Schweine, Hühner, Truhthähne und natürlich auch Katzen und Hunde. Ein Spektakel!
Duschen geht für mich großen Deutschen am besten nur auf Knien. Das Wasser ist immer kalt und vor dem duschen muss ein Eimer Wasser an der Decke gefüllt werden, da sehr wenig Druck auf der Leitung ist! Toiletten gibt es, allerdings wird oft mit einem Eimer Wasser gespühlt. Einmal waren wir am Fluss nahe dem Dorf. Jetzt kurz vor der Regenzeit ist kaum Wasser vorhanden. Man kann den Fluss locker durchlaufen. Das Wasser ist so warm, dass es schon nicht mehr erfrischend ist.

Das Leben hier ist total langsam und für mich und Leo sehr unproduktiv. Wir sind wahrscheinlich jetzt schon für den deutschen Arbeitsmarkt ruiniert. Wir arbeiten circa 4 Stunden am Tag, was für hiesige Verhältnisse schon verdammt viel ist. Damit man den Tag übersteht wird Mate getrunken, ein spezieller Tee, der unseren Kreislauf vor dem in Schwung kommen bewahrt, damit auch ja nichts überhetzt wird. Viele Männer kauen außerdem noch Cocablätter, eine Vorstufe des Kokain (100kg Coca = 1g Kokain), welche nicht die Produktivität fördern, aber laut Ihnen gut für die Verdauung und die Gesundheit sein sollen. Auch ich habe sie probiert. Finde sie aber nicht besonders lecker und muss mir nicht die Backe damit füllen.
In unserer Zeit in El Talar haben Leo und Ich viele Familien kennen gelernt. Besonders wurden wir immer den Mädels des Hauses vorgestellt. Auch durften wir uns Fotoalben von Schönheitswettbewerben und sonstigem anschauen. Sehr spannend und meistens gar nicht mal so hübsche. Vielen fehlen schon mit 18 Jahren die ersten Zähne und durch die ungesunde Ernährung haben auch viele zu viel auf den Rippen.
Leo und ich haben die Zeit in dem Dorf El Talar sehr genossen. Es ist sehr entspannend und die meiste Zeit wird geschlafen 🙂 Allerdings freuten wir uns riesig, als die Zeit dann doch vorbei war und wir wieder ein bisschen Zivilisation erfahren durften.

Zumindest für den Moment, denn gerade sind wir im Taxi zu unserem ersten Ziel in Bolivien, Tarija. Der Grenzübergang von Argentinien nach Bolivien war super spannend. Erstmal standen wir 1 Stunde in der prallen Morgensonne um einen Ausreisestempel zu bekommen. Dann sind wir einen Kilometer gelaufen, auch über den Grenzfluss, um dann in Bolivien den Einreisestempel zu erlangen. Die Grenzbeamtinnen haben erstmal mit uns geflirtet und wollten mit auf unsere Reise kommen. Den Pass haben die sich auch nur wegen unserer Fotos angeschaut, so sagte jedenfalls der einzige männliche Beamte im Büro! 🙂 Danach mussten wir 5 km bis zum nächsten Ort laufen, denn das Taxi wollten wir uns sparen! Gut so, denn auf halber Strecke sind wir kurzfristig im Fluss Baden gegangen! Einfach super



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