Escuela de Verano und Karneval
12 02 2012Hallo zusammen. Dies wird mein letzter Bericht aus Salta, Argentinien sein. Hier reise ich am 14.2.12 gegen Mittag Richtung Mendoza und dann nach Santiago de Chile ab. Wahnsinn. Erstens vergeht die Zeit so wahnsinnig schnell. Vor kurzem hatte ich schon Halbzeit von meiner kompletten Reise. Zweitens hatte ich hier eine so tolle Zeit. Unvergesslich!!! Und drittens werde ich euch jetzt erstmal berichten, wie es hier abging 😉
Nach der Rueckkunft von unserem tollen Trip von Iguazu hatten wir noch ein paar Tage um uns zu rehabilitieren. Dann ging es los mit der „Escuela de Verano“, also der Sommerschule oder besser gesagt den Ferienspielen.
Ich bekam fuer den Vormittag eine Gruppe von 4 und 5 jaehrigen und Nachmittags eine Gruppe von 11-13 jaehrigen zugeteilt.
Morgens versuchten Romina und ich die Kleinen zu bespassen. Dazu musste ich meistens als Klettergeruest herhalten; oft auch kitzeln, hochwerfen, tragen und rumschleudern. Allerdings hatten wir schon einen festen Tagesplan. Es gab schwimmen im Planschbecken, basteln und verschiedene Spiele. Doch speziell letzteres stellte sich als sehr schwer heraus, denn die Kinder von 4-5 verstanden viele einfache, eigentlich fuer diese Altersklasse vorgesehene Spiele nicht. Auserdem konnten viele die Farben rot, gelb und blau nicht unterscheiden. Das Zaehlen bis 5 oder sogar bis 10 war fuer fast alle eine unloesbare Aufgabe. Badezimmer sind fuer viele Kinder auch etwas vollkommen neues. Dort muss erst mal gelernt werden, was das Klo ist und wie man es benutzt; viele benoetigen auch noch Hilfe. Als dann ein Junge mit der Klobuerste im Mund meinte, er wuerde sich jetzt mal die Zaehne putzen, lag ich fast vor Lachen auf dem Boden.
Eines Tages hatte ich von der kleinen, suessen Madleen gesagt bekommen: „Kai, du hast ja schon lange Haare auf den Beinen. Zu Hause habe ich eine Schere, die bringe ich morgen mal mit“. Auserdem wird oft gefragt, wie alt ich denn sei. Darauf antworte ich natuerlich mit 20. Die Reaktion ist dann immer die selbe: „Wie, du bist erst 20 und schon sooo gross??“ Auserdem, da die Kinder die Farbenlehre ja nicht so gut beherschen, behaupten sie manchmal vollen Ernstes, dass obwohl ich einen roten Pinsel hochhalte, „Das, also das ist auf jedenfall gelb“. Also vieles zum lachen, manches zum weinen!!! Denn die schulische Entwicklung dieser Kinder, auch der aelteren, ist manchmal echt erschreckend. Aber auch viele Erwachsene, hier in meinem Umfeld, tuen sich mit dem Rechnen und Lesen schwer…
Meine Nachmittagsgruppe dagegen ist um einiges anstrengender gewesen. 11-13 ist ein extrem anstrengendes Alter, wie ich feststellen durfte. Viele von den Kindern, oder muss ich schon Jugendliche sagen (?), wollten an vielen angebotenen Aktivitaeten nicht teilnehmen, alles total uncool. Auserdem ist es anscheinend auch total uncool das zu tun, was einem der „Profe“ sagt. Schwieriger wurde die Situation noch, da die Profesorin Gisela, der ich zur Hand ging, nicht ein einziges Mal durchgegriffen hat und der Gruppe mal gesagt hat, wo der Hammer haengt. Manchmal haette ich mir das gewuenscht. Als dann auch noch vermehrt mutwillig Sachen der Fundation zerstoert wurden, habe ich um ein Gespraech mit den Koordinatoren Miguel und Nati gebeten. Diese haben dann einmal auf den Putz gehauen 😉
Trotzdem hatte ich eine tolle Zeit mit der Gruppe, wenn auch sehr anstrengend. Viele, aber nicht alle, habe ich sehr ins Herz geschlossen und wir hatten tolle Gespraeche, ja Gespraeche ;), mit dem spanisch klappt es ueberraschend gut, und auch lustige Spiele haben wir gespielt. Ein paar mal haben wir das deutsche Voelkerball gespielt. Total neu fuer alle, aber alle fanden es total lustig 😉 Zwischen durch habe ich auch ein paar Maedels ein bisschen Mathenachhilfe gegeben. Als dann die Frage aufkam wieviel denn 5+7 sei fiel ich fast vom Stuhl als eine fest behauptete es sei doch 13. Erst als ich es an meinen Fingern abzaehlte, gab sie klein bei. :)Am Ende wollten mich, trotz ein bisschen Stress zwischen durch, manche gar nicht gehen lassen. Dies beweisen vor allem meine Arme. Denn diese sind vollgehaengt mit Freundschaftsbaendchen. =)
Samstags waren immer grosse Feste. Zum einen kommen immer alle Kinder nur vormittags. Einmal hatten wir einen Karnevalsumzug, wofuer in der Woche davor Masken und Verkleidungen gebaut wurden. Ein anderes mal gab es viele verschieden kleine Spiele, wo die Kiddis Spielgeld gewinnen und dieses dann fuer Suessigkeiten eintauschen konnten und einmal gab es ein kleinen Marathon. Jede Altersklasse hatte verschiedene Distanzen unter dem Jubel der anderen zurueckzulegen und wurden im Ziel von uns Profesoren in die Arme genommen und diverse Preise uebereicht. Immer fuer alle ein riesen Spass an dem auch die Eltern immer gerne zuschauen. Besonders der Karnevalsumzug war ein Highlight. Danach werden meistens die grosen Rasensprenger angeschaltet und man wird angenehm runtergekuehlt!
Immer wieder zwischen durch war ich ein bisschen krank. Insgesamt habe ich fast 3 Kilo abgenommen und bin 3 mal ins Krankenhaus gelaufen (!!!) um mit einem Arzt zu sprechen, aber an dem Tag leider dann doch keiner anwesend war. Aber ich will nicht zu lange davon sprechen, habe mich halt staendig wieder bei den Kindern angesteckt, aber im Endeffekt ist mein Immunsystem wahrscheinlich so stark wie noch nie!!! Am Ende bin ich von alleine gesund geworden. Mir geht es jetzt bestens, ich bin fleisig am essen und fuehle mich gestaerkt fuer meine Reise.
Anfang Februar sind Ana, Rocky, Claudia, Maxi, Matias, Janett, Maria (Hausmeisterfamilie), Leo und ich zum Karnevalsumzug in die Stadt gefahren. Wahnsinnig beeindruckend. Erstmal stehen an der gesamten Strasse in einer langen Linie Plastikstuehle. Dazu werden ueberall Spruehdosen verkauft. Damit sprueht man sich dann gegenseitig an. Es ist so eine Art weiser Seifenschaum. Besonders beliebt bei Kindern. Zum anderen faengt der Umzug erst um 11 Uhr nachts an. Die ganze Strasse ist beleuchtet und durch Lautsprecher droehnt Musik. Hier werden aber keine Suesigkeiten geschmissen oder viel „Helau“ oder „Alaaf“ gerufen. Hier wird den beeindruckenden Taenzen und den aufwaendigen Kostuemen zugeschaut. Und zur Abwechslung wird jeder mal mit dem Schaum auch „Nieve“ (dt: Schnee) genannt voll gesprueht! 😉 Um 3 Uhr haben wir uns dann vor lauter Muedigkeit auf den Heimweg gemacht. Doch der Umzug war noch nicht vorbei… Ein beeindruckendes Erlebnis was ich nicht haette missen wollen.
Nachts und im Dunkeln unterwegs sind Leo und ich oft. Denn jetzt beginnt ueberall das Leben. Doch Angst oder ein komisches Gefuehl durch die dunklen Slums zu laufen (um zur Busstation zu kommen) haben wir nie gehabt. Oft kommt von irgendwo ein „Hola Profe Kai, Hola Profe Leo“. Denn bei den Kindern sind wir schon sehr bekannt. Und dann kommen sie angerannt, wollen umarmt werden und nach einem kurzen „Wie gehts“ laufen wir weiter.
Einmal haben wir eine Gruppe Kinder mit Fahrraedern getroffen. Einer hatte ein Pferd. Damit sind die Kinder abends durch das Dorf gecruzt.
Dieses mal habe ich auch ein paar Fotos aus dem Dorf „San Raphael“, welches gegenueber von der Fundation liegt. Dort erkennt man die einfachsten Haeuser. Manche haben kein fliesend Wasser, Strom oder Gas. Viele Kinder bekommen auserdem auch selten etwas zu essen und kommen immer mit grossem Hunger zur Fundation und Fragen nach Brot und Wasser… Da seh ich dann mal wieder wie gut es uns in Deutschland geht und ich schaeme mich manchmal fuer die kleine Auswahl an essen die ich alleine hier in meiner kleinen Wohnung in meinem Kuehlschrank habe…
Heute war der letzte Samstag fuer mich hier auf der Fundation und auch der letzte der Escuela de Verano. Dazu war noch das 1 jaehrige Bestehen der Fundation hier. Deshalb gab es eine grosse Feier. Die Aerobicgruppen, bestehend aus Muettern, haben vorgetanzt und auch ich durfte meine Jonglierkuenste vorstellen. Dann habe ich mich von allen offiziell per Mikrofon verabschiedet und durfte die grosse Geburtstagstorte anschneiden. Als alle Kinder weg waren haben wir „Aelteren“ noch leckere Burger gegessen. Eine kleine Abschiedsparty fuer mich. Ein grosser Geburtstag fuer Anawin (Name der Fundation), auf das noch viel zukommen wird. Edmundo, Praesident und fast alleiniger Finanzierer dieses Projektes, hat noch grosse Vorhaben. Demnaechst soll hier auf dem Gelaende ein Kindergarten fuer Kinder unter 4 Jahren entstehen. Auserdem eine grosse ueberdachte Sportflaeche (insgesamt 60*40 Meter!) und noch viel mehr. Unfassbar!!!! Wer dieses tolle Projekt unterstuetzen moechte, kann sich gerne bei mir melden.
Ich verabschiede mich aus Salta. Heute abend gehe ich noch ein letztes Mal hier feiern und morgen vielleicht nochmal reiten und dann geht es ans packen!
Wie immer freue ich mich auf Kommentare oder auf Emails. Wie geht es euch? Wer liest eigentlich alles diesen Blog? Ja, diese Frage stelle ich mir manchmal echt! Erreichen koennt ihr mich auch privat unter: kai_sommer@hotmail.de
Also bis bald dann wieder aus einem anderen Land mit ganz neuen Eindruecken.
Ich werde Anawin, Salta und Argentinien sehr vermissen!!!
Kai


























Hallo Kai,
Du kannst sehr sicher sein, dass ich den Kommentar lese. Und von Anfang bis Ende genieße. Außerdem werde ich ihn an meine Kollegen/innen weiterleiten, die schon ne Menge für Ayuda gespendet haben.
Toll, dass Du in ANAWIN so eine schöne Zeit hattest. Jetzt wird Leo die „deutsche Fahne“ dort hochhalten und Dir wünsche ich noch 4 tolle Monate in all den Ländern, die Du jetzt bereisen wirst.
Genieß es – und danke für Deinen Einsatz in ANAWIN.
Liebe Grüße
Joa
Hallo Kai,
Danke für tollen Bericht u Fotos. besonders die tollen Fotos von Micheeeeel 😀 und Jimena zeigen, wie fröhlich ihr und das equipo Anawin die Kinder macht!
Ich bin selbst am 21. März in Anawin und werde versuchen, beide Mädchen zu treffen – evtl. für unsere „Träume-Sammlung 2012“?
Hab noch ne tolle Zeit,
Un ABRAZO,
Marina (AYUDA)
Hallo Kai,
Du kennst mich nicht, ich bin so ’ne DÄV „Muddi“, deren Söhne 22 und 24 auch der eine in Südamerika als Backpacker war und der andere derzeit in Noramerika im Auslandssemesetr und -praktikum…. Selbst war ich in Cuba, Nepal und Vietnam im Trekking die letzten Jahre und bin einfach interessiert! Toll was Ihr da so macht in den Projekten.
Ich hoffe die Kinder haben dann bessere Chancen, oder wie ist das dann? Ist es nur ein helfen über die Not? Noch viel Spaß und Freude mit den anderen Ländern und Menschen, die Erinnerungen bleiben Dir fürs ganze Leben! Herzliche Grüße aus Dresden von Anett